Diese Woche ist wieder einiges passiert.
Inzwischen darf ich jeden Morgen den Schulbus fahren und die Kinder einsammeln. Das ist immer ein großes Tohuwabuhu, da auf jedem Sitz 2-3 Kinder sitzen, die gerne mal lauthals zur Reggeatonmusik im Radio mitsingen. Dann rufen sie immer: „Más fuerte, Flo! Más fuerte!!“
Außerdem durfte ich beim
Schwein schlachten mithelfen; nachdem wir das 85kg Tier auf den Hof gebracht haben wurde es mit einer Strom-Zange betäubt. Während ich diese hielt, wurde das chancho mit einem Messerstich ins Herz getötet. Die 5 Liter Blut die daraufhin herausschossen, wurden mit einem Eimer aufgefangen, um daraus Blutwurst zu machen. Anschließend wurde das Schwein entborstet, gewaschen, ausgenommen und zerteilt.Gestern feierte Nico seinen zehnten Geburtstag. Es kamen 20 Kinder aus der Umgebung, für die wir lustige Spiele vorbereiteten. Es war ein sehr schöner, aber auch anstrengender Tag. Daher gönnten Rivka, Manuela (eine Freiwillige, die noch für 3 Wochen hier ist) und ich uns abends einen landestypischen Caipirinha mit Cachaca (für 1,90Euro der Liter) und frischen Zitronen aus dem Garten.
Heute fuhren wir mit dem Bus nach Asunción, der Hauptstadt Paraguays, die etwa 40km entfernt liegt. Dabei lernte ich, wie das hier mit dem Bus funktioniert; Haltestellen gibt es keine, man muss sich einfach an die Straße stellen, auf der der Bus fährt, und dann die Hand ausstrecken wenn er kommt. Wie lange man warten muss, kann man nie wissen. Manchmal dauert es 5min, manchmal jedoch auch eine Stunde oder länger. Pünktlichkeit ist hier ein Fremdwort. Wenn der Bus angehalten hat, muss man hoffen dass man sich noch irgendwie reinquetschen kann. Da der Bus oft ziemlich voll ist, hängen meistens 3-4 Leute noch außen auf dem Trittbrett. Die Tür ist im Prinzip immer offen. Wenn man aussteigen will, muss man dem Fahrer ein Signal geben, der daraufhin normalerweise auch anhält. Ziemlich chaotisch alles... aber lustig =)
Joa, in Asunción selbst gibt es eigentlich recht wenig zu sehen. Die Häuser sind alle ziemlich versifft, und überall sind kleine Stände an denen Asado, Chipa, gefälschte Kleidung und Schmuck verkauft wird. Richtig schön ist jedoch ein kleiner Park am Río Paraguay. Da haben wir uns auch ein Weilchen auf dem Rasen gesonnt.
Außerdem haben Rivka und ich uns noch für einen Sprachkurs angemeldet, den wir in Zukunft jeden Samstag für 3 Stunden besuchen werden.
Auf dem Rückweg sind wir noch über einen Markt in San Lorenco gebummelt. Richtig krass; das waren Blechhütten, eine neben der anderen, sodass alles überdacht war. Es gab alles, und natürlich verdammt billig. Und das Ganze so riesig, dass ich mich erst einmal verlaufen habe. Ich kam mir vor wie im Urwald: die ganze Zeit wird man von Händlern angelabert und sogar am Arm gezogen: „Muchacho, para vos más barato!“ Ich war heilfroh, als ich endlich den Weg nach draußen gefunden hatte.
Das Geilste sind jedoch die Motorradläden, die es hier zuhauf gibt. Nagelneue 150ccm Maschinen bekommt man hier für 3 Millionen (ca 450 Euro). Und die Teile sehen richtig geil aus, etwa so wie es in Deutschland 1950 modern war. ^^ Dazu kostet das Benzin hier ca 50 Cent pro Liter... Kling alles ziemlich verlockend...
Jetzt werde ich mich noch ein bisschen an Tom Sawyer versuchen (natürlich auf spanisch) und wenn der Mate leer ist ins Bett gehen.


